Da zieh ich mir ein Kleidchen an…

und fühl mich wunderbar! Ja, ich spielte Golf das erste Mal in meinem Leben in einem Kleid. Ein unglaubliches Gefühl, und ich gebe zu, das ist irgendwie sexy. Von den Komplimenten mal abgesehen, schaute ich genauer hin, wie denn die Golfgemeinde so aussieht und sich kleidet. Ich muss zugeben, die neumoderne Funktionsware macht zuweilen den Eindruck, als würden Körper von einer Haut überzogen, die jede Delle und Welle abzeichnet. Dünn, leicht, atmungsaktiv, für Hitze gut, sagen viele. Aber auch labberig und strukturlos sieht es aus, sage ich.

Ach ja, die guten alten Zeiten, als Herren noch in frisch gebügelten und gestärkten Hemden spielten und die Baumwollhose eine standfeste Bügelfalte hatte. Mein Viererpartner trug an meinem „Kleidtag“ ein solches rosa-weiß gestreiftes Hemd und Hose, und er sah klasse aus. Wir fielen sehr auf im allgemeinen Funktionsware-Getümmel. Ein Herr mit einer Dame unterwegs in einer Viererwoche in Portugal. Das Gerede, wegen der Hitze sei Funktionsware lebensnotwendig, ist doch wirklich eine geniale Marketingerfindung. Wie haben wir Golf früher eigentlich in normaler Kleidung überlebt?

Ach ja, auch die Sachlage zum Thema Golfschuhe ist interessant. Sucht man Herrenschuhe mit Ledersohle, dann wird es schwierig. Sagt zumindest mein Viererpartner. Viele Golfschuhe sehen heute aus, als würden sie direkt in ein Raumschiff passen, sehr futuristisch.

Von Etikette ist vielfach die Rede beim Golf. Heute haben echte Herren und Damen die Chance, sich zumindest mit der Kleidung abzuheben und aufzufallen. Man macht einfach das Gegenteil vom aktuellen Trend, und schon tritt ein, was die Stimmung hebt: the first thing is to look nice. Ein Slice am ersten Abschlag tut weniger weh, wenn man gut aussieht, ehrlich! Wenn dann noch die Grundregeln von Etikette eingehalten werden, dann sage ich: top!

Es gibt sie noch, die andere Gattung Herren. Sie fallen auf mit schicker Kleidung (s.o.), geputzten Schuhen, neutralen Golfbags ohne fette Markenlogos. Diese Herren sind zur rechten Zeit am Damenabschlag und stören uns nie. Sie haben es drauf als Gentlemen, jammern nicht, und nehmen die Fahne auf dem Grün selbstverständlich in die Hand und dann ins Loch. Ein frisches weißes Taschentuch ist immer dabei, es trocknet Schweißperlen und vielleicht unsere Tränen. Aber aufs Fairway spuckt ein Gentleman nie, egal, wie sehr die Allergie zuschlägt!

Die Damen, ja die Damen unter uns, tragen natürlich auch die Kleidung, die dem Alter und der Figur angemessen sind. Und sehr wichtig: if you want to be treated like a woman, behave like a woman. Das ist der kurze Moment, wo wir uns zurückhalten und nicht die Fahne auf dem Grün schnappen, gib dem Herrn die Chance! Wir dürfen auch mal um Hilfe bitten, das schwere Golfbag aus dem Auto zu hieven, Herren lieben ritterliche Aufträge! Wir jammern natürlich ebenfalls nie und nerven niemals mit zu viel Gerede über das Spiel auf und nach der Runde. Wir genießen, das ist wichtig.

Genießen? Bald könnte es wieder sehr heiß werden, wenn wir spielen. Da habe ich noch einen wichtigen Hinweis: immer ein kleines nasses Handtuch auf den Nacken legen, das kühlt sehr gut ab. Sonnencreme immer dabeihaben und einen Hut. Viel Wasser schluckweise trinken. Dann haben Sie die Basics der Überlebensetikette für sich selbst bedacht. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen herrlichen und stilvollen Golfsommer.

Herzlichst

Ihre Uschi Beer

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