Etiketteschwindel

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Wir spielten über Ostern an der Algarve mit einem sehr sympathischen Ehepaar das klassische Privatmatch „Damen gegen Herren“. Er Stammvorgabe 11,3, mein Mann 19,9, sie 21,6 und meine 0,9. Eine gute Mischung von Spielklassen also. Eine niedrige Vorgabe erzeugt irgendwie immer Respekt, meistens auch gutes Benehmen der Herren mir gegenüber. Ein Mann zeigt ja gerne, was er kann, auch gute Manieren inklusive die Seite des Gentleman – wenn Mann will, oder? Stimmt doch meine Herren, wenn Sie meinen, es macht Sinn, dann geben Sie alles.

So war das bei dem Herrn mit 11,3. Er achtete auf sportliche Etikette, stand brav und still auf dem Grün, bis ich fertig geputtet hatte und überhaupt, an seinem Verhalten mir gegenüber war nichts auszusetzen. Mir platzte innerlich irgendwann aber der Kragen, nachdem ich sein Verhalten seiner Frau gegenüber eine Weile studiert hatte. Er respektierte meistens ihre Zeit zum Beenden der Putts nicht, lief in ihre Schläge oder in die Vorbereitung zum Chippen. Es waren viele kleine Respektlosigkeiten, die sich oft bei langjährigen Ehepaaren einschleichen.

Ich fragte sie, ob er das immer mache. Mit großer Freude darüber, dass ich es bemerkt hätte, bestätigte sie meine Beobachtungen. Das mache er immer so, sie fühle sich oft in ihrem Spiel nicht ernst genommen und würde oft nur „schnell schnell“ fertig spielen, um sein Tempo einhalten zu können. Leider nimmt sie das hin, obwohl es ihr Spiel beeinträchtigt. Ironischerweise hat sie die richtige, spielerisch fröhliche Einstellung zum Golf, er hingegen ist der perfektionssüchtige „wie werde ich noch besser“ – Golfer.

Sie ist eine tolle Zockerin. Als es drauf ankam, lochte sie entscheidende Putts, und wir gingen in Führung. Im richtigen Moment ergriff ich Partei für meine Partnerin, weil er wieder in ihre Puttvorbereitung trampelte. „Hans, so geht das nicht weiter, Du störst Deine Frau ganz oft, Du respektierst ihr Spiel nicht, Schluss jetzt, wir wollen Ernst genommen werden!“

Nun hatten wir beide doppelten Respekt, Beachtung und diebische Freude zu gewinnen. Wenn Sie jetzt nach dem Benehmen meines Mannes fragen wollen? Wäre ich mit ihm zusammen, wenn er sich auf dem Golfplatz bescheuert benehmen würde? Unsere erste gemeinsame Runde entschied über Sieg oder Niederlage seiner Bemühungen, mein Herz zu erobern.

So knallhart und deutlich muss ich Ihnen das verraten: eine gemeinsame Runde Golf, und ich weiß die Grundzüge, wie Sie ticken, liebe Herren. Das ist ein besonderer Reiz des Golfspiels, es verrät sehr viel über den Spieler. Spiegelung lässt grüßen.

Halten wir Hans zugute, dass ihm sein Verhalten nicht mehr richtig bewusst war – behauptete er jedenfalls. Dennoch, es muss den Herren der Schöpfung hier ein zweites Geheimnis verraten werden: wir Frauen finden das schrecklich, wenn Sie sich in der Akquisephase, eine Frau zu erobern, von Ihrer besten Seite zeigen, und diese im Laufe der Bequemlichkeiten der Beziehung wieder verlieren. Auch das ist Etiketteschwindel.

Ähnlich ätzend sind Golfer mit versteckter Aggressivität. So zeigt sie sich: man ist der bessere Spieler, muss mit schwächeren Spielern auf die Runde und hat dazu eigentlich gar keine Lust. Unterschwellig lässt man es die Schwächeren mit seinem Verhalten wissen – ohne etwas zu sagen. Das kann ein genervter Blick sein, Verhalten gegen die Etikette und vieles mehr, die Energie im Flight ist versaut. Gefühlsmenschen spüren das sehr genau.

Hallo, wo ist denn die Nächstenliebe, wo das Spiel mit Herz statt Erfolgszwang? Wir haben schließlich alle mal mit dem Golfspiel angefangen.

Zusätzlich sind viele Golfer in Deutschland mental ferngesteuert, was ihr Image aufgrund der Stammvorgabe angeht. Sie ist definitiv und absolut unwichtig!

Verabschieden wir uns also vom Etiketteschwindel! Erinnern wir uns an die echten Werte des Golfspiels und unter uns Menschen. Nächstenliebe und Achtung für andere, und bei dem, was wir tun. Respekt den Älteren und Schwächeren gegenüber. Offenheit für Neues und die Geschichten der Herzen. Bewusstheit und Dankbarkeit für das Königsspiel Golf, das wir spielen dürfen. Genießen und Bewunderung für die Natur und unseren Partner.

Wir haben unsere Beziehungen aus Liebe begonnen, wir sollten sie pflegen und hegen. Wir sollten uns jeden Tag fragen: war dies ein guter Tag, eine gute Golfrunde, weil ich Freude erlebt und etwas gestaltet habe? Habe ich meinen Beitrag zur Schönheit des Universums geleistet?

Nun verrate ich Ihnen ein drittes Geheimnis: wenn Sie, liebe Herren, das nächste Mal das Wort „Mutti“ auf den Lippen haben, obwohl sie Ihre Frau ansprechen wollen, dann schlucken Sie „Mutti“ bitte sofort runter! Sie haben schon eine Mutter, das genügt. Das ist die Kapitulation für Ihr Beziehungsverständnis.

Liebe Damen, Sie sind tolle Frauen, Sie brauchen keinen „Vati“ als Ehemann, und ihr Mann/ Partner ist auch kein Kind, dem sie Bütterchen auf die Runde mitgeben müssen. Wenn er fragt, na ja, dann vielleicht. Aber Sie spielen besser Golf, wenn Sie auf Ihre Bedürfnisse achten und sich schlechtes Benehmen nicht mehr gefallen lassen.

Das erzeugt dann wieder Respekt bei Ihrem Mann, und so schließt sich der Kreis.

Herzlich…..

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