Alles hat seine Zeit….

Es ist Mittwoch, 35 Grad draußen, und ich schreibe die Kolumne. Mein Hund liegt in der Ecke auf dem kühlen Steinboden, eher regungslos und schlapp. Hunde wissen, was für sie gut ist. Heute ist sicher in vielen Clubs wieder Herren- oder Seniorengolf. Spielen Sie mit? Hatten Sie ernsthaft vor, bei solch einer Hitze zu golfen? Ich sicher nicht, alles hat seine Zeit. Vorbei der, eigentlich oft unverantwortliche, Tatendrang, auch um meine Gesundheit nicht zu stressen.

Zur DMM der Senioren im GC Wasserschloss Westerwinkel habe ich mich für unser Team nochmals motiviert und teilgenommen. Was war ich froh, dass es Mitte Juni zu den Vierern schüttete und bei den Einzeln mit früher Startzeit das Klima erträglich war. Alles hat seine Zeit, mir macht Golf bei schwüler Hitze keine Freude mehr.

Der Spaß ist ab 2017 eh vorbei, meinen eigentlich alle, die ich gesprochen habe. Dann nämlich wird getrennt, Männlein und Weiblein spielen auch im Seniorenlager nicht mehr zusammen. Wieso entscheidet der DGV so etwas? Das hat was von Spaßbremse. Und noch schlimmer: da jetzt Damen fehlen, müssen weiterhin, oder noch mehr, echte Senioren ihre Teams unterstützen. Ich habe in meinen Flights bei Mitspielern gesehen, wie viel körperlicher Stress das „Turnier spielen“ bedeutet. Mir auch, das gebe ich zu – besonders, wenn man nicht dauerhaft trainiert ist. Ich sah, mit welchem Energieaufwand Yips und Co ertragen oder unterdrückt wurden. Ich sah so viel Leid und Qual.

Auch wenn jetzt viele behaupten, das würde nicht stimmen, ich sage: es stimmt. Der hohe Bier- und Alkoholverbrauch nach Golfrunden spricht dazu Bände. Die ganze Anspannung und der Turnierwahn, wofür? Alles hat seine Zeit und will würdevoll gelebt werden. Im Seniorenlager genau hingeschaut, würden Aliens uns für verrückt halten und meinen, das ist also Sadomaso.
Und typisch deutsch, wir haben’s ja mit dem sich Quälen.

Es ist unwürdig, und sich quälen sieht auch fürchterlich aus, das ist jedenfalls meine Meinung. Als ich bei einem Damen-Bundesligaspiel eine National-Seniorin mit einer 14-Jährigen am 17. Tee beobachtete, da wusste ich: meine Entscheidung, das alles zu lassen, war definitiv richtig. Ein eher Mitleid erregender Anblick, Hitze und Golferregung sehen in einem Gesicht über 60 anders aus als bei jungen Girlies. Hotpants übrigens auch.

Alles hatte seine Zeit, auch die netten und gemütlichen Stunden im Golfclub und in der Gemeinschaft. Man traf sich am Wochenende und spielte ein Clubturnier. Heute sind doch fast alle verstreut und bewältigen das gesamte Ligasystem. Gähnende Leere in der Clubgastronomie, langweilig eigentlich. Ab und an bei einem Highlight wie „Preis des Präsidenten“ o.ä. kommt es wieder auf, das gute Feeling einer Clubgemeinschaft.

Alles hat seine Zeit. Nun sind wir im Olympia- und im Sportwahn. Naja. Institutionen wollen auch erhalten werden und schaffen sich Arbeit. Ich meine die Sportfunktionäre. It is a big business. So wie in der Politik, die Verwaltung muss verwaltet werden und bekommt Geld zum Verwalten, ob Steuergelder oder Mitgliedsbeiträge.

Entschlacken ist die Tugend der Zukunft. Weniger ist mehr. Das erkennt man vielleicht auch erst ab einem gewissen Alter. Das ist schön und tröstend zugleich. Ich fang dann mal an und tue heute nichts mehr, außer Wasser trinken.

Ob Sie sich „quälen“ wollen oder nicht, es wünscht Ihnen einen genuss – und sinnvollen Sommer
herzlichst

Ihre Uschi Beer

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