Weniger Putts durch weniger Anspannung

Der Putt ist der Schlag, mit dem sich der Spieler auf dem Grün belohnen sollte. Doch wie häufig geht all das, was sich der Spieler auf dem Fairway erarbeitet hat, auf dem Grün wieder verloren. Die Verärgerung über einen schlechten Putt schleicht sich dann leider meist auch in das restliche Spiel ein, das Selbstvertrauen verringert sich, und die Runde nimmt einen weniger zufriedenstellenden Verlauf, als möglich gewesen wäre.

Auf der Webseite mygolfspy.com findet sich eine sehr umfangreiche Analyse der Spiel-Statistiken von Amateurspielern. Dort zeigt sich, dass ein Scratch-Golfer im Schnitt 31,8 Putts auf einem Par 72 Kurs benötigt, und dieser Wert steigt um jeweils einen Schlag an für die Handicap-Gruppen 1-5, 6-10, 11-15, 16-20, bis bei der Gruppe von Handicap 21-25 der Schnitt bei 36,8 Putts liegt.

Spielt ein Golfer mehr oder weniger Putts pro Runde, kann dies an verschiedenen Faktoren liegen: entweder er ist ein guter oder schlechter Putter, oder der Spieler verfügt über ein sehr gutes kurzes Spiel und kann häufig ein Up-and-Down spielen, oder aber er spielt das Grün auch aus größeren Entfernungen so erfolgreich an, dass in den meisten Fällen nur ein oder zwei Putts notwendig sind, um den Ball im Loch zu versenken. Im Allgemeinen kommt der Golfer jedoch um das Putten nicht herum. Insofern ist die Reduzierung der Anzahl der Putts so oder so zielführend, egal, ob es sich um einen Putt zum Up-and-Down handelt oder um einen Putt nach einem verpatzten Chip.

Fallen einem Spieler Putts aus bis zu einem Meter leicht, kann er sich für einen guten Annäherungsschlag belohnen. Kriecht bei dieser Distanz jedoch die Angst in die Arme, sieht das Loch plötzlich zu klein für den Ball aus. Mit jedem nicht gelochten Putt steigt die Versagensangst, und die schleicht sich langsam in das gesamte Spiel und wirkt zerstörerisch. Wir Golfer müssen uns alle etwas einfallen lassen, um mit Putts, egal aus welcher Distanz und dem Druck, lochen zu müssen, fertig zu werden. Wir brauchen eine Herangehensweise, die immer zuverlässig funktioniert. Glücklicherweise ist dies kein Hexenwerk, denn eine starke mentale Routine, die auch unter Druck abrufbar ist, hilft, die Anzahl der benötigten Putts zu reduzieren.

Es gilt, der Zweifel Herr zu werden. Ein erfolgreicher Putter ist ein Spieler, der an seine Puttfähigkeiten glaubt und sich mit einer positiven Einstellung in einen mentalen Zustand versetzt, der ihm erlaubt, seine Fähigkeiten auch abzurufen. Selbstverständlich ist und bleibt eine solide Putt-Technik die beste Voraussetzung dafür, den Ball häufig zu lochen. Ihre ganz individuelle Puttroutine ist aber der Grundstein dafür, dass Sie auch in Stresssituationen erfolgreich putten werden. Kreieren Sie sich Ihre ganze eigene Routine, auf die Sie sich jederzeit verlassen können.

Dies tun Sie, indem Sie schauen, welche Vorgehensweise Sie beim Putten bevorzugen. Gehen Sie um das Loch herum und lesen Sie Ihre Puttlinie von mehreren Seiten? Betrachten Sie die Linie nur aus einer bestimmten Richtung? Treten Sie hinter den Ball und suchen Sie mit Blick über den Schlägerschaft die Linie, an der Sie sich ausrichten möchten? Spüren Sie in Ihre Füße, wohin das Grün bricht? Richten Sie eine Linie auf Ihrem Ball aus? Wie treten Sie letztendlich an den Ball heran? Richten Sie zunächst den Putter aus oder Ihre Fußspitzen? Stehen Sie zunächst mit geschlossenen Füßen und öffnen diese dann? Erst links dann recht? Erst rechts dann links? Spüren Sie in Ihren Griffdruck hinein? Lockern Sie noch einmal Ihre Schultern? Ihre Hüfte? Atmen Sie anders? Blicken Sie, bevor Sie den Ball losschicken, noch einmal zum Loch?

Schauen Sie, was sich für Sie gut anfühlt und was Sie brauchen, damit Sie zuversichtlich am Ball stehen. Probieren Sie aus, woraus Sie Ihr Selbstvertrauen ziehen.

Das sagt der Profi Dennis Küpper:

„Meiner Erfahrung nach verursachen Anspannung und Angst mehr Fehlputts als Sorglosigkeit! Oft höre ich die Aussage: „Ich spüre keinen Druck“, doch das wird in den allerseltensten Fällen zutreffend sein. Denn man kann keinen Druck von einem Putt nehmen, man kann ihn nur annehmen und damit fertig werden! Spieler, die den Anschein erwecken, sie würden eiskalt und abgeklärt unter Druck agieren, haben sich über Jahre eine Routine angeeignet, um damit umzugehen. Analysieren Sie Ihre Puttroutine, verbessern Sie sie und werden Sie mental stärker. Gepaart mit einer soliden, verlässlichen Putt-Technik sind dies die besten Voraussetzungen dafür, dass Sie den Ball zuverlässiger einputten können.“

Sehen Sie Putts als die Belohnung an, die Sie sich auf dem Grün abholen können. Freuen Sie sich auf die Herausforderung und nehmen Sie sie an. Sobald Sie das Grün betreten, leiten Sie Ihre im Training erarbeitete Routine ein und durchlaufen alle Phasen, die für Sie dazu gehören. Schaffen Sie mit jedem Putt mehr Vertrauen, seien Sie bereit, sich auf Ihre Fähigkeiten zu verlassen.

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