Marcel Siem – Sieg in Agadir, Tristesse in Texas

Marcel Siem

Marcel Siem siegt in Agadir

Auch wenn sein Jugendtraum diesmal noch nicht in Erfüllung gegangen ist, einmal den „heiligen Rasen“ von Augusta zu betreten, einmal im Augusta National GC beim „Masters“ abzuschlagen – es waren schon turbulente, tolle Tage, die Marcel Siem zwischen dem 28. März und dem 7. April 2013 erlebt hat. Tage zwischen Himmel und Hölle, zwischen Hoffnung und Bangen, zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt.

Marcel Siem sah seine erste und zunächst letzte Chance, sich doch noch für das Masters zu qualifizieren, beim European Tour-Turnier, der „Trophée Hassan II“, im „Golf du Palais Royal“ im marokkanischen Agadir. Dort musste er gewinnen, um sich unter die Top-50 der Weltrangliste vorzuschieben, denen sich die Tür für’s Masters automatisch öffnet. Er triumphierte in Marokko mit eindrucksvollem Stil – einen Start-Ziel-Sieg nennt man das, wenn man von Runde 1 bis Runde 4 an der Spitze liegt. Am Schluss hatte der Düsseldorfer drei Schläge Vorsprung auf den Engländer David Horsey und den Finnen Mikko Ilonen. „Am Abend vor der Schlussrunde habe ich lange mit Bernhard Langer telefoniert, der hat mir wertvolle Tipps gegeben, wie ich mit einer Führungs-Situation umgehen muss“, berichtete Marcel Siem von seinem Gespräch mit seinem siegreichen WM-Partner von 2006.

Marcel Siem auf dem Weg zu seinem dritten European-Tour-Titel mit Caddy Guy Tilston

Marcel Siem auf dem Weg zu seinem dritten European-Tour-Titel mit Caddy Guy Tilston

Als er dann vom König geehrt und mit Scheck und Dolch ausgerüstet wurde, begann für ihn das endlos lange Warten, mussten doch die Ergebnisse von der „Shell Houston Open“ abgewartet und ausgewertet werden. Zu später Stunde dann die Enttäuschung – der Amerikaner Russell Henley hatte ihn um 0,03 Punkte von Platz 50 der Weltrangliste verdrängt. Aber Marcel Siem blieb noch eine allerletzte Chance – hatte er doch tags zuvor eine Einladung erhalten für die „Valero Texas Open“ in San Antonio. Und dem Sieger dieses US-PGA-Tour-Events winkte der letzte Startplatz in Augusta.

Dann die strapaziöse Reise von Agadir mit dem Charter nach Köln, von Köln zum Wäschewechseln nach Düsseldorf, von Düsseldorf morgens um 10 Uhr über Atlanta nach San Antonio. „Ganz schön stressreich“, so Marcel Siem nach seiner Ankunft in San Antonio, „an zwei Tagen gerade mal 5 Stunden geschlafen, aber was macht man nicht alles für’s Masters!“

Ernüchterung am ersten Turniertag – eine „76“. Von wegen Siem-Sieg und Masters-Quali. Aber ab dem zweiten Tag ging’s aufwärts – eine „67“, die beste Runde des Tages, sicher im Cut. In Runde 3 eine „69“ und weiter vorne mit dabei und weiter mit der Hoffnung lebend, da geht noch was. Am Schlusstag spielte Marcel Siem wie entfesselt. Er startete zwar mit einem Bogey, aber dann folgten bis zur „11“ nicht weniger als sechs Birdies, nur noch einen Schlag lag er hinter den Führungsduo mit Martin Laird und Billy Horschel. Dann aber die „12“, ein Par 4, Abschlag in den Bunker, 2. Schlag Steckschuss in den Grünbunker, fett getroffen im Semirough, Schlag vier zu kurz, Putt fünf zu lang, Putt sechs zu kurz – eine scheußliche „7“, mit der alle Chancen vergeben waren.

Am Ende dennoch ein großartiger 10. Platz, seine bislang beste Platzierung bei einem US-PGA-Tour-Turnier, und die brachte ihm einen Startplatz für die „Zurich Classic of New Orleans“ Ende April in Avondale, LA.

Hätte doch nach der „Valero Texas Open“ der 50. Weltranglisten-Platz gezählt! Jetzt ist Marcel Siem nämlich auf Platz 48!

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