Interview mit Franziska Vent – Meisterhafte Master-Arbeit: „Warum spielst du Golf?“

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Golf an Rhein und Ruhr: Herzlichen Glückwunsch, Franziska Vent, zur verliehenen Auszeichnung „Masterprofessional der PGA of Germany“ – nach Dr. Katrin Appell sind Sie die 2. Proette in Deutschland, die diesen ehrenwerten Titel tragen darf. Ihre jetzt ausgezeichnete und veröffentlichte Arbeit trägt die Überschrift: „Warum spielst du Golf?“ Ja, warum eigentlich? Aber zunächst die Frage: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, dieser Fragestellung zum Golfspielen nachzugehen?

Franziska Vent, 1962 in Krefeld geboren, war unter anderem 1979 deutsche Jugendmeisterin und wurde mehrfach als Nationalspielerin nominiert. Nach dem Abitur, einer kaufmännischen Ausbildung und einem einjährigen Studium der Sportwissenschaften hat sie ihren Jugendtraum verwirklicht, indem sie sich beim damaligen DGV-Nationaltrainer Hans-Peter Ranft zur Golflehrerin ausbilden ließ.  Seit 27 Jahren ist die zweifache Mutter als Trainerin im GC Hubbelrath tätig und hat mit der Studie „Warum spielst du Golf?“ den Titel „Masterprofessional der PGA of Germany“ erworben und die Urkunde anlässlich der diesjährigen PGA-Arbeitstagung in Bad Neuenahr entgegengenommen.  Mit „Golf an Rhein und Ruhr“ sprach Franziska Vent über die Entstehungsgeschichte ihrer Master-Arbeit.

Franziska Vent, 1962 in Krefeld geboren, war unter anderem 1979 deutsche Jugendmeisterin und wurde mehrfach als Nationalspielerin nominiert. Nach dem Abitur, einer kaufmännischen Ausbildung und einem einjährigen Studium der Sportwissenschaften hat sie ihren Jugendtraum verwirklicht, indem sie sich beim damaligen DGV-Nationaltrainer Hans-Peter Ranft zur Golflehrerin ausbilden ließ.
Seit 27 Jahren ist die zweifache Mutter als Trainerin im GC Hubbelrath tätig und hat mit der Studie „Warum spielst du Golf?“ den Titel „Masterprofessional der PGA of Germany“ erworben und die Urkunde anlässlich der diesjährigen PGA-Arbeitstagung in Bad Neuenahr entgegengenommen.
Mit „Golf an Rhein und Ruhr“ sprach Franziska Vent über die Entstehungsgeschichte ihrer Master-Arbeit.

Franziska Vent: „Zum Jahreswechsel 2011/12 brachte das SZ Magazin eine Ausgabe voller Fragen heraus, und mir wurde mal wieder bewusst, welchen herausfordernden Charakter Fragen zur eigenen Standpunktfindung haben können. Bei der Reflektion über Dinge, die man bewusst tut oder die einfach nur routinemäßig ab- oder weiterlaufen, drängte sich auch die Frage danach auf, welche Bedeutung das Golfspielen für mich hat und wie das bei anderen Golfern ist.

Ich hatte in fast 40 Jahren Golfspiel dazu schon so viele unterschiedliche Statements gehört, dass ich plötzlich den Wunsch verspürte, hierzu eine allgemeingültige Aussage zu finden, die sich auch mit Zahlen belegen lassen kann. Mein Vorsatz für das Jahr 2012 wurde dann plötzlich dieses Projekt.“

Golf an Rhein und Ruhr: War die Aussicht auf einen Masterprofessional-Titel ein wichtiger Ansporn?

Franziska Vent: „Ja, auf jeden Fall! Eigentlich glaubte ich, dass sich außer mir kaum jemand für diese Art von Fragestellung interessiert, schließlich spart man durch den Erkenntnisgewinn `Warum spiele ich Golf?` nicht nachweislich irgendeinen Schlag. Aber den Anspruch an eine Masterarbeit, nämlich neue Erkenntnisse in der Golf-Wissenschaft zu erbringen, konnte ich mit einer solchen Untersuchung vielleicht schon erfüllen. Das eine Jahr, das nach der Genehmigung des Themas für die Bearbeitung gewährt wurde, hat mir außerdem – im positiven Sinn – Druck gemacht, das Projekt wirklich durchzuziehen, auch wenn ich dessen Gelingen gar nicht abschätzen konnte.“

Golf an Rhein und Ruhr: Welchen Nutzen hat diese Untersuchung denn, wenn man hierdurch nicht besser Golf spielen kann?

Franziska Vent: „Das Buch regt hoffentlich dazu an, die vielen Facetten zu erkennen, die beim Golfspielen Zufriedenheit oder vielleicht sogar ein Glücksgefühl auslösen können. Das ist vielleicht sogar mehr Wert als ein gelochter Putt. Die eigenen Glücksquellen besser wahrzunehmen kann auch insgesamt gelassener machen, was sich positiv auf alles Mögliche auswirken kann.“

Golf an Rhein und Ruhr: Wie war Ihre Vorgehensweise? Was konnten Sie zu diesem Thema ganz allgemein in der Literatur finden?

Franziska Vent: „Gefunden habe ich erst einmal nichts. Bei der Bearbeitung bin ich deshalb aus zwei Richtungen herangegangen: Erstens habe ich einen umfangreichen Online-Fragebogen mit 59 Items erstellt, die sich auf diese 3 Kerngebiete richteten:
a) Durch wen und durch welche Umstände sind die Golfer in Deutschland überhaupt um Golfspiel gekommen?
b) Welche Reize lösen beim Golfspielen selbst die größte Freude/Glücksgefühle aus (intrinsische Motive)? Und
c) Wie groß ist die Nachhaltigkeit des Interesses? Wo liegen mögliche Unzufriedenheiten und Ausstiegsgründe.

Parallel dazu bin ich der Frage nach freiwilligen Entscheidungen des Menschen und Motivation zum Handeln im Allgemeinen nachgegangen und habe dazu Informationen zusammengetragen. Im Vergleich verschiedener Motivations-Modelle haben sich folgende Motive herauskristallisiert, die mutmaßlich die Leidenschaft für das Golfspielen antreiben: der Drang nach Bewegung und Lernen, das Flow-Erleben, der Wunsch nach Erholung, Gesundheit und Fitness, Leistungsbereitschaft und Wettbewerb, Gemeinschaftserleben, das Bedürfnis nach Anerkennung und das Naturerleben. Diese umfangreiche Recherche war sehr arbeitsintensiv, aber auch besonders interessant für mich. Darüber hinaus gibt es natürlich auch äußere Einflüsse und pragmatische Gründe, die ebenfalls entscheidend sein können.“

Golf an Rhein und Ruhr: Gab es nicht irgendwo – wenigstens in den USA – bereits Erhebungen zur Motivstruktur unter Golfspielern?

Franziska Vent: „Ja, tatsächlich habe ich etwas gefunden. In den USA gibt es die National Golf Foundation (NGF), eine Wirtschaftsvereinigung, die sich als objektive und unabhängige Informationsquelle versteht, mit dem Ziel, die wirtschaftlichen Interessen ihrer Mitglieder zu unterstützen. Dafür werden die unterschiedlichsten Daten zu allen wirtschaftlich relevanten Bereichen des Golfsports erhoben und den Mitgliedern der NGF zur Verfügung gestellt. Vor über 20 Jahren gab es dort drei verschiedene Studien, die in der Summe einem Teil meiner Fragen nahe kommen.“

Golf an Rhein und Ruhr: Ist nicht sowieso jeder Golfspieler anders motiviert, weshalb eine solche Untersuchung ein hoffnungsloses Unterfangen ist?

Franziska Vent: „Das ist ja gerade der Zweck einer Studie, allgemeingültige Merkmale zu bestimmen und zu beziffern. Das eigene Gefühl für`s Golfspielen steht auf einem Blatt, aber ich wollte eben eine Kategorisierung schaffen, die sich zahlenmäßig beziffern lässt.
Das Interessante an einer solchen Datenerhebung sind natürlich die Abweichungen bestimmter Personengruppen vom Durchschnitt. Wie unterscheiden sich z. B. leistungsorientierte Spieler vom Freizeitgolfer, Jung von Alt und Männer von Frauen.“

Golf an Rhein und Ruhr: Sind Frauen und Männer bei ihrer Einstellung zum Golfspiel vielleicht von unterschiedlichen Sternen? Sollte man deshalb vielleicht Clubs exklusiv für Frauen oder für Männer gründen?am kind-low

Franziska Vent: „Das ist wahrscheinlich kein so gutes Geschäftsmodell, zumal man unterschiedliche Zielgruppen eh gut über den Tag verteilen könnte. Frauen sind laut der Umfrage deutlich mehr an Gemeinschaft interessiert als Männer, auch an der Gemeinschaft mit ihrer Familie. Dabei sind sie häufig auch die treibende Kraft bei der Wahl eines Sports für die ganze Familie. Männer könnten auf ihre Partnerin und ihre Familie auf dem Golfplatz schon eher verzichten, das kennen wir ja aus den alten Strukturen vor allem in Schottland und England. Irgendwie beruhigend finde ich aber, dass die Freude am gemeinsamen Golfspiel mit der Familie bei Männern im Altersverlauf steigt, während sie bei Frauen schwächer wird, so dass ab dem Alter von 65 Jahren ein etwa gleiches Niveau von ca. 50 % erreicht wird.“

Golf an Rhein und Ruhr: In Ihrem Fragebogen werden auch äußere Einflüsse und pragmatische Überlegungen zum Golfspielen abgefragt. Wie wichtig sind diese beiden Kategorien?

Franziska Vent: „Diese Gründe kann man als extrinsisch motiviert bezeichnen. Die Erwägungen, die für oder gegen das Golfspielen sprechen, liegen hier nicht in den Freuden, die das Spielen selbst auslöst (intrinsisch), sondern in Überlegungen nach Finanzierbarkeit, Verfügbarkeit, Nützlichkeit, Vereinbarkeit mit Beruf und Familie, etc.. Sie haben natürlich großen Einfluss auf die Entscheidung für oder wider eine Freizeitbeschäftigung, ebenso wie Ärgernisse und Hinderungsgründe.“

Golf an Rhein und Ruhr: Und was liegt da jeweils ganz vorne?

Franziska Vent: „Dass man Golf bis ins hohe Alter und außerdem auch allein spielen kann, sind die wichtigsten pragmatischen Überlegungen. Hohe Mitgliedsbeiträge und schlechtes Wetter sind bei Golfern in Deutschland nach den zeitlichen Einschränkungen die größten Störfaktoren.“

Golf an Rhein und Ruhr: Und wie steht es mit der Golfclubmitgliedschaft als Statussymbol?

Franziska Vent: „Das kann ich nicht genau sagen, wer würde sich das schon selbst ehrlich eingestehen, wenn das so negativ klingt? Ich habe die Fragen dazu deshalb etwas positiver gestellt, nämlich, ob der Golfplatz als gutes Umfeld für die eigenen Kinder empfunden wird und auch um Kontakte zu knüpfen. Und beide Antworten haben eine Zustimmung von über 40 % erhalten.“

Golf an Rhein und Ruhr: Können von Ihren erhobenen Daten vielleicht auch Golfclubs und Verbände profitieren?

Franziska Vent: „Durch den Nachweis der Empfindungen für das Golfspielen in Zahlen können Golfclubs die Bedürfnisse verschiedener Zielgruppen besser einschätzen, eventuell Abweichungen erkennen und somit einige Störfaktoren gezielt reduzieren. Maßgeschneiderte Befragungen in den einzelnen Golfclubs wären dazu aufschlussreich.
Wenn man die Werte unterrepräsentierter Spielergruppen untersucht, z. B. die der jungen Frauen, die bei unter 30 % liegen (altersunabhängig ist das Verhältnis im Deutschen Sportbund 60 % Männer zu 40 % Frauen, im DGV sind es ca. 63 % zu 37 %), so haben die befragten Frauen, die ja (noch und eigentlich gerne) Golf spielen, besondere Bedenken, die Mitgliedsbeiträge und Greenfees bezahlen zu können. Dabei spielen natürlich einige außenstehende Gründe eine Rolle, aber für den Fall, dass Golfclubs sich verjüngen wollen (der Golfverband würde das bestimmt gerne sehen), wäre es ratsam, über spürbare Erleichterung z.B. für junge Mütter zu diskutieren.

Ein anderer Ansatz für die Steigerung der Attraktivität für junge, insbesondere weibliche Spieler wäre zudem das Aufgreifen des Teamgedankens auch außerhalb des Leistungsbereichs, denn das Gemeinschaftserleben ist in dieser Zielgruppe sehr wichtig.“

Golf an Rhein und Ruhr: Gab es für Sie ein besonders überraschendes Ergebnis Ihrer Umfrage?

Franziska Vent: „Eigentlich bestätigen viele Ergebnisse die angenommenen Vermutungen, und die Zahlen passen insgesamt zusammen. Was mich vielleicht doch überrascht hat, war die unterschiedliche Bewertung von faktisch gleichen Störfaktoren. Wer, glauben Sie, ist deutlich um 5 bis 9 % empfindlicher bei überfülltem oder ungepflegtem Platz, unpassenden Startzeiten oder einer langer Anfahrt zum Club? Männer oder Frauen?“

Golf an Rhein und Ruhr: Verraten Sie es uns, oder wenigstens, wo man das Buch kaufen kann?

Franziska Vent: „Wenn man die größere Unzufriedenheit von Männern wertfrei betrachtet, wird man vielleicht auch irgendeinen Sinn dahinter erkennen. Aber für das Genießen einer Golfrunde ist da noch Potential.
Das Buch ist erst in wenigen Buchhandlungen bekannt, aber auch dort theoretisch. Erhältlich ist es im GC Hubbelrath, im Krefelder Golf Club und bei West Golf in Köln. Bestellen kann man es ansonsten gern unter franziskavent@googlemail.com.“

2 total comments on this postKommentar senden
  1. Hallo Frau Franziska Vent,
    Sie haben meine Tochter Melanie Gerz im Jahr 1990 im Golf-Club Hubbelrath trainiert und betreut. Noch heute vielen Dank. Leider ist Melanie dann in der Schweiz vom Golfspiel abgekommen. Nun war ich im Golf-Club Hubbelrath und habe Ihre Reise nach Agadir gelesen. Ich lebe seit 10 Jahren in Agadir und spiele dort in allen Golf-Clubs.
    Ich biete Ihnen meine Hilfe gerne an. Ich spreche etwas arabisch und kenne eine Vielzahl von arabischen Golfern. Dazu habe ich gute Kontakte in alle marokkanischen Gesellschaftsschichten, u.a. auch ins Königshaus, dem Sommerpalast seiner Majestät Mohammed VI.
    Meine Adresse: Siegfried Gerz, Av.des FAR 24, 80030 Agadir. Telefon: 00212 (0) 660187754. Meine E-Mail: siegfriedgerz@gmx.de. Mit sportlichem Gruß
    Gerz.

  2. Hallo Franzika Vent, wenn Sie mit Ihrem Team nach Agadir kommen, hole ich Sie am Flughafen “ EL MASSIRA “ gerne ab. Wenn es Ihre Zeit erlaubt, dann zeige ich Ihnen den neuen Golf-Platz “ tazegzout “ in Taghazout , 35 km nördlich von Agadir.
    Ich bin dort bereits Mitglied und habe sehr viele neue Freunde gefunden. MfG Gerz

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